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  • angelikaklaus92

Zwischen bellenden Rollerfahrern, Donuts und anderen verrückten Gestalten

Manila, Philippinen, Samstag, 30. März 2024: Hier sitze ich mal wieder und versuche meine Reisezeit zu nutzen, um etwas Ordnung in meine Gedanken zu bekommen und die ein oder andere Reisestory niederzuschreiben. Wo ich hier gerade abhänge? Im „Horizon Café“ auf einer Fähre von Manila nach Coron. Horizon Café… hört sich ziemlich fancy an, stimmts? Haha, das ist es sicher nicht. Darf ich vorstellen: Die Kehrseite vom Langzeitreisen. Da mein Arbeitsvisum für Australien abgelaufen ist, muss ich jetzt erst einmal wieder aufs Budget achten und das bedeutet leider auch, dass man die meiste Zeit ziemlich cheap unterwegs ist: Sei es in 8er Hostelzimmern schlafen oder wie jetzt gerade auf einer Fähre - in einem nach frittiertem Hühnchen riechenden „Boardrestaurant“ sitzend mit einer Geräuschkulisse wie am Bahnhof. Aber warte es kommt noch besser: Ich teile mir mein Schlafabteil mit 15 anderen, zwar immer in nochmal halbwegs abgetrennten 4er Abteilen, aber da es grundsätzlich ein offener Raum ist, fühlt es sich an wie eine große philippinische Übernachtungsparty: einer schnarcht, der andere isst Chips (eventuell bin ich das), einer steht ständig am Fenster und beobachtet was auch immer es da zu sehen gibt und wieder andere hören über Lautsprecher Musik oder ziehen sich Videos rein. Aber hey, irgendwie auch ziemlich witzig. Alle sind übrigens sehr freundlich, helfen mir, wenn ich die Lautsprecheransagen mal wieder nicht verstanden habe und ein paar Tipps für meine Weiterreise habe ich auch schon bekommen. Also alles halb so wild. Und bei 12 Stunden Fähre für umgerechnet 45 Euro, hat man wirklich keinen Grund zu meckern.

Zwischen gefühlt 100 Filipinos und ein paar weiteren müden Backpackern, die sich mit Kartenspielen oder ihrem Handy die Zeit vertreiben, schlürfe ich meine Nudelsuppe und beobachte, wie wir Manila hinter uns lassen und Richtung Ozean schippern.

 

Gute Überleitung – Manila. Dort habe ich die letzten Tage bei meinem Kumpel Max verbracht. Wir haben uns im September in Lombok kennengelernt und als klar war, dass ich auf die Philippinen komme, wollte ich ihn für ein paar Tage besuchen. Ich konnte mich für 4 Tage bei Max einnisten und hatte den besten Start, den man sich für die Philippinen wünschen kann. Da wir uns seit September nicht gesehen haben, hatten wir viel aufzuholen und haben 80% der Zeit mit Essen und Quatschen verbracht. Unsere Donut Tradition, die wir auf Lombok ins Leben riefen, ging in Manila natürlich weiter. Das Ergebnis: die Donuts konnten hier nicht ansatzweise mit denen aus Lombok mithalten.

 

Seit September ist viel passiert: campen in Neuseeland; surfen in Sydney; der Start meiner Surffotografie; ein Job als Weihnachtself in Sydney in dem ich Geld damit verdiente, künstliche Weihnachtsbäume zusammenzustecken, sie zu schmücken und auszuliefern und meine Wiederkehr nach Monkey Mia in der ich mit alten sowie neuen Freunden Weihnachten, Neujahr und meinen Geburtstag feierte. Oh und natürlich mein kurzer Abstecher nach Bali, um mich dort mit zwei Freundinnen aus der Heimat zu treffen – ein absolutes Highlight und ein so schönes Gefühl am anderen Ende der Welt auf ein bisschen Heimat zu treffen.

 

Aber zurück zu Manila. Abgesehen von Denpasar in Indonesien habe ich noch keine wirklichen asiatischen Großstädte gesehen. Vielleicht war Manila deswegen auch ein kleiner Schock für mich. Während du auf der einer Seite die „Global City“ findest, also das neue, gutgeplante Manila, mit einer erstaunlichen Skyline, schön angelegten Einkaufszentren, Grünstreifen, Cafés und schönen Wohn-und Bürogebäuden in denen alles seine Ordnung hat, findest du am anderen Ende der Stadt das genaue Gegenteil: Old Manila. Hier regiert das Chaos. Quirliges Marktgeschehen, laute Musikboxen an jeder Ecke, Streetfood und Marktstände soweit dein Blick reicht, Scooter, Tuk-tuks, Fahrräder, Hunde, Katzen, Hühner und sooo viele Menschen. Überall. Menschen, die asap von A nach B wollen; verrückte Gestalten, die dir Dinge verkaufen wollen; Menschen, die dir mit ihren Sonnenschirmen fast ins Auge pieken; Menschen, die dich anstarren, weil du die einzige Person mit blauen Augen weit und breit bist; alte Frauen, die dich mit ihren zwei verbliebenen Zähnen einfach ohne Grund aber von ganzem Herzen angrinsen und leider auch Menschen, die betteln oder die dir etwas zu nah auf die Pelle rücken. Ich bin ganz ehrlich, hätte ich Max nicht gehabt und ohne es besser zu Wissen ein Hostel in Old Manila gebucht, hätte ich dieses nicht verlassen. Aber in diese Situation kam ich ja glücklichweise nicht

 

Oh und unser Highlight: eine Frau, die sich breit grinsend auf einem Fahrrad mit einem Seil von einem Rollerfahrer hat ziehen lassen. Mitten im krassesten Verkehr, den man sich vorstellen kann. Vielleicht hat sie sich ein Fahrrad gekauft und ihr Mann half ihr das gute Stück nach Hause zu transportieren. Vielleicht hat sie sich aber auch heimlich an den Rollerfahrer gebunden, um bei gefühlten 45 Grad nicht selbst in die Pedale treten zu müssen. Wer weiß. Fakt ist, sie hatte den Spaß ihres Lebens – und wir auch.

 

Ein weiteres Highlight für mich waren die Jeepneys. Das sind alte, meist sehr volle und kitschige Fahrzeuge, die einen großen Teil des öffentlichen Transports in Manila ausmachen. Ihren Ursprung hatten sie in der amerikanischen Kolonialzeit in der günstig importierte Fahrzeuge zum Transport genutzt wurden. Diese wurden dann umgebaut und möglichst viele Personen günstig zu transportieren. Quasi als Taxi zum Teilen. Da im zweiten Weltkrieg aber die meisten Fahrzeuge zerstört wurden, wurde danach eine neue Version gebaut, die heute durch Manila düst. Man setzt sich einfach rein, sagt dem Fahrer wo man raus will und reicht sein Geld durch die Menge, bis es hoffentlich beim Fahrer ankommt. In den meisten Fällen sind die Menschen ehrlich und das Ganze funktioniert ganz gut. Ob das zu Hause in Deutschland auch so laufen würde ist fraglich. Also mein absoluter top Tipp von mir für deinen Manila Aufenthalt: unbedingt eine Jeepney-Fahrt unternehmen!!


Oh und noch ein Tipp: Probiere Zuckerrohrsaft mit Eis und Limette. In Chinatown und Old Manila findest du das an vielen Straßenständen. Die langen Zuckerrohrpflanzen werden durch riesige Entsafter geschoben und du bekommst frisch gepressten Zuckerrohrsaft, der mega süß und erfrischend ist. Für umgerechnet 1,20 Euro.


Ich weiß nicht ob Manila immer etwas komisch ist, oder ob es an mir liegt. Max meinte nämlich an unserem letzten Abend, dass seitdem ich hier bin, komische Dinge passieren. Da war zuerst die Frau, die sich auf dem Fahrrad ziehen gelassen hat. Das war aber noch nicht alles. An unserem letzten gemeinsamen Abend, warteten wir an einer Ampel, um die Straße zu überqueren und in der nächsten Sekunde dachte ich, ich träume. Ein Mann auf einem Roller fuhr an uns vorbei und auf seinem Helm saß ein kleiner weißer HUND!!!!! Ein Hund!!! Ohne Leine. Er saß einfach da und klammerte sich mit seinen vier Pfoten an den Helm. Vielleicht hat man ihm Kleber unter die Füße gemacht, vielleicht fährt er aber auch gerne Roller. Wir mussten beide drei Mal hinschauen, weil wir es nicht glauben konnten. Und nein, wir waren nicht betrunken und Drogen nehme ich generell keine. Das war einfach nur Manila. Und weil das noch nicht genug war, ging es gefühlte 3 Minuten weiter: Wir standen wieder am Straßenrand und wollten eine zweispurige Straße überqueren. Ein Mann auf einem Roller hielt an und wollte uns herübergehen lassen. Da auf der zweiten Spur jedoch noch sehr viele Autos kamen, gingen wir natürlich noch nicht los. Er bemerkte das und fährt auf die andere Spur, sodass er neben oder schräg vor einem Auto steht. Dann machte er mit Handzeiten klar, dass das Auto anzuhalten hat wir über die Straße gehen können. Nett von ihm, oder? Ja, nur was dann folgte, war das merkwürdigste was mir seit Monaten passiert ist. Er lehnte sich nach vorne und BELLTE den Autofahrer an. Wie ein Hund. Richtig laut und ein richtiges Bellen. Und als wäre ihm das alles peinlich gewesen, düst er dann in einem affenzahn davon. Total perplex vom Hund auf dem Helm und diesem bellenden Rollerfahrer, machten uns schnellen Schrittes über die Straße und entschieden, dass wir schleunigst nach Hause gehen sollten.

Diese Erlebnisse aus Manila werde ich nie vergessen, daher hier nochmal ein dickes Danke an Max, dass ich bei dir wohnen durfte, du mir die Stadt gezeigt und diese verrückten Momente mit mir geteilt hast.

 


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